Grinzing
Geschichte:
Kaiser Probus ist schuld daran, dass schon 276 n.Chr. die ersten Weinstöcke auf den Hügeln rund um Grinzing gepflanzt wurden. Diese botanische Nebenbeschäftigung der römischen Legionäre brachte dem kleinen
Dorf vor den Toren Wiens Wohlstand und viel, viel später sogar internationale Berühmtheit - denn in dieser anmutigen Landschaft wächst ein vorzüglicher Wein! Um bei allen kriegerischen Auseinandersetzungen der letzten 700 Jahre gelegentlich ungeschoren davonzukommen, legten die Grinziger Weinbauern von ihren Weinkellern aus unterirdische Fluchtwege an, die sie bis in ihre geliebte Grinzinger Kirche brachten. Auch das "Alte Preßhaus", Grinzings älteste Weinschänke, besitzt einen Gang unter der Erde. Seit 1527 wird in dem mächtigen, eindrucksvollen Keller der "junge Wein" ausgeschenkt.Vor einer prachtvollen, 250 Jahre alten Weinpresse und großen, alten Fässern kann hier ein Fremder bei Kerzenlicht, feinen Weinen und guten Wiener Spezialitäten noch echte Heurigengemütlichkeit erleben. Diese typische Wiener Geselligkeitsform, seit Maria Theresias Zeiten als "Heuriger" amtlich bezeichnet, ist für den Wiener ein kleines, zeitloses Stückchen Glück. Grinzing war bis 1891 selbständige Weinhauergemeinde, seither Teil des 19. Wr. Bezirkes.
Der Heurige:
Der Habsburger Kaiser Josef II, schuf 1784 die erste allgemeingültige gesetzliche Grundlage für den Heurigen, derzufolge jedem Weinhauer (Weingärtner) erlaubt wurde, selbsterzeugten Rebensaft auszuschenken.
Das Wort Heuriger hat eine Doppelbedeutung und meint sowohl den Wein der letzten Ernte, der im November des folgenden Jahres zum "Alten" wird, als auch den Ort, wo man ihn trinkt.
Gegenwärtig wird in Wien von rund 300 Weinhauern auf 700 Hektar Weinbau betrieben. 90 Prozent der Wiener Weinernte von ca. 30.000 Hektolitern sind Weißwein, der Rest Rotwein:
insgesamt 12 Millionen Vierteln.

Als "Unterlage" zum Wein wird heute beim Heurigen ein meist äußerst üppiges Buffett angeboten: lauwarmer Kümmelbraten und Surfleisch (marinierter Braten), Schinkenfleckerln und Schweinsbraten, Blunzengröstel, Brat- und Backhendel. Dazu gibt's Süßspeisen wie Kaiserschmarren, Milchrahmstrudel oder Apfelstrudel. Dabei war es bis vor etwa 20 Jahren durchaus üblich, die Verpflegung im "Heurigenpackerl" von zu Hause mitzunehmen und dazu den Wein zu bestellen. Zur Kaiserzeit holte noch der "Salamutschi-Mann" aus seinem Korb Salami, Käse und Brot und verkaufte die Gustostückerln den Heurigengästen. Übrigens soll der Brauch, beim Heurigen ohne Besteck "aus dem Papierl" zu essen, der Grund für die Erfindung des Heurigen-typischen Henkelglases sein: Mit fetten Fingern ist ein glattes Glas schwer zu halten und wirkt schnell unappetitlich.
Unverzichtbar beim Heurigen ist der Liptauer. Dieser Topfenaufstrich (im Originalrezept aus Brimsen) mit Paprika, Zwiebel und Kapern ist - je nach Gusto - scharf oder mild zu haben.
Ausg'steckt is:
Im Mittelalter war Wein eine der Haupteinnahmequellen Wiens, und die Stadtbehörde achtete streng darauf, dass der gute Ruf dieser Wiener Köstlichkeit nicht geschädigt wurde. Deshalb stellte ein offizieller Weinprüfer die Qualität des Rebensaftes fest, und erst wenn er den Wein für gut befunden und zum Ausschank freigegeben hatte, konnte der "Weinrufer" ausgesandt werden. Der lief mit einem grünen Tannen- oder Föhrenbuschen durch die Straßen und kündigte die bevorstehende Ausschank an. Dieser Buschen wurde dann über dem Tor des Winzers an einer Stange "ausg'steckt" - der "Buschenschank" war geboren.
Ausschenken dürfen die Buschenschanken - seit kurzem - zwar das ganze Jahr über (früher nur 300 Tage im Jahr). Allerdings nur in traditionellen Heurigengegenden und nur den im Wiener Raum selbstgekelterten Wein.
Die Schrammeln:

Das berühmteste Heurigenquartett, das vor der Jahrhundertwende für einen Run auf Nussdorf sorgte. Dort traten die beiden Brüder Schrammel mit ihrem Quartett als die "Nussdorfer" auf und entwickelten einen eigenen Sound: mit zwei Geigen, tiefer Gitarre und G-Klarinette (die später durch eine Zieharmonika ersetzt wurde). Sie schrieben selbst Wienerlieder, die heute noch gesungen werden - z.B. "Wien bleibt Wien". Auch heute erfreut sich die typische Schrammelmusik größter Beliebtheit, spielend kommen die Musiker jedem Gästewunsch nach und beherrschen selbstverständlich sämtliche Wienerlieder (zu denen es auf Anfrage oft auch nicht ganz jugendfreie Verse gibt).
Das Wienerlied und der Heurige:
Eine untrennbare Symbiose. Als geborener Wiener hat man ohnehin beim "Herrgott Protektion" (Heurigenlied), ist dauernd von Engerln, die auf Urlaub nach "Wean" kommen, umgeben und ausserdem mit "Ihm" nahe verwandt. Denn "der Herrgott muss ein Wiener sein", wie man aus den verlässlichen Quellen des Volksmundes, den Wienerliedern erfährt. Aber will man dort überhaupt hin, in den Himmel? Wo doch der Heurige selbst ein vollwertiger Ersatz, ja, Tummelplatz von Petrus und allen heiligen Helfern ist -Oder doch zumindest der Sammelplatz von "Weinbeissern" und Natursängern, von Maderln und Buam, von alt und jung, reich und arm - Außerdem kann man vom Buschenschank, wenn man schließlich doch genug hat, auch wieder nach Hause - ob man "mit dem Dackel von Grinzing heimwärts wackelt'" (Heurigenlied), zielstrebig mit den "Öffis" (wie die Wiener ihre öffentlichen Verkehrsmittel nennen) oder mit einem Taxi - was beim Himmel, außer man ist ein Engerl mit Urlaubsanspruch, nicht garantiert ist.
Channel: Typisch Wien
Categories: Food & Drink, Wienerisch
Weiterführende Links:
Location:
Adresse: Grinzing, 1190 Wien
Öffnungszeiten: ganzjährig, die meisten Heurigenlokale von 16.00 - 23.00 Uhr
Anfahrt: Strassenbahn: 38 Endstation
Grinzing, ist das Synonym für den Wiener Heurigen und ein Prosit auf die berühmte Gemütlichkeit!
Duration: 02:20Language: de
Creation date: 2008
Credit: Director: Hermann Kurasch, Editor: Max Ratzenböck, Farbkorrektur: Christian Thüringer, Musik: Herzton Schrammeln
License: http://creativecommons.org/licenses/by-nc-nd/2.0/at/


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